Im Jahr 2020 zählt man in der Schweiz 9,8 Spitalaufenthalte pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner in Zusammenhang mit einer substanzbedingten Störung (Haupt- oder Nebendiagnose). Verglichen mit 2012 ist der Trend leicht ansteigend. Die häufigsten Spitalaufenthalte sind im Zusammenhang mit Alkohol (6,2 pro 1000 Einwohner/innen) zu verzeichnen. Ein Abhängigkeitssyndrom ist bei allen Substanzen bei weitem die häufigste Diagnose. Im Total, wie auch für fast jede Substanz einzeln, werden deutlich weniger Spitaleintritte im Zusammenhang mit substanzbedingten Störungen bei Frauen als bei Männern erfasst – mit Ausnahme bei Sedativa oder Hypnotika.

Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Der Konsum von psychoaktiven Substanzen kann schädliche Auswirkungen haben. Der vorliegende Indikator, der die Spitalaufenthalte im Zusammenhang mit einer substanzbedingten Störung zählt, weist auf bestimmte Folgen hin. Berücksichtigt wird eine Reihe illegaler (beispielsweise Opioide und Cannabinoide) und legaler (beispielsweise Alkohol und Tabak) Substanzen. Der Indikator gibt auch Auskunft (Wahlmöglichkeit) über die Form der Störung.

Kenntnisse über Art und Umfang der Behandlungen in Akutspitälern und psychiatrischen Kliniken bilden die Grundlage für die in der Strategie Sucht angestrebte Vernetzung von medizinisch-psychiatrisch ausgerichteten Leistungserbringern und jenen aus dem sozialmedizinischen und psychosozialen Bereich.

Definition

Dieser Indikator wurde mit den Daten der Medizinischen Statistik der Krankenhäuser berechnet und wird jährlich aktualisiert. Er gibt die Rate der Spitalaufenthalte aufgrund einer substanzbedingten Störung in somatischen oder psychiatrischen Kliniken pro 1000 Einwohner/innen wieder. Die Daten wurden nach der Altersstruktur der europäischen Standardbevölkerung 2010 (European Commission 2013) standardisiert. 

Für das Total der Spitalaufenthalte wurden alle Fälle berücksichtigt, bei denen als Haupt- oder Nebendiagnose eine psychische oder Verhaltensstörung durch folgende psychotrope Substanzen (gemäss Einteilung der ICD-10-GM: F10-F19) festgestellt wurde:

  • Alkohol
  • Opioide
  • Cannabinoide
  • Sedativa oder Hypnotika
  • Kokain
  • Andere Stimulanzien
  • Halluzinogene
  • Tabak
  • Flüchtige Lösungsmittel
  • Multipler Substanzgebrauch und andere psychotrope Substanzen

Die oberen Grafiken zeigen die Rate der Spitalaufenthalte durch das Total der psychotropen Substanzen sowie durch die sechs wichtigsten Substanzen. Das Ringdiagramm zeigt die Diagnosen bei Spitalaufenthalten durch psychotrope Substanzen nach Störung: Akute Intoxikation, schädlicher Gebrauch, Abhängigkeitssyndrom, Entzugssyndrom, psychotische Störung, andere (z.B. Entzugssyndrom mit Delir, Amnestisches Syndrom).

Die Umsetzung der KVG-Revision Spitalfinanzierung und die damit verbundene Neudefinition des Behandlungsfalls für die nach SwissDRG vergüteten Leistungen (Akutsomatik) haben zu einem Bruch in der Zeitreihe zwischen 2011 und 2012 geführt. Aus diesem Grund werden lediglich die Jahre ab 2012 dargestellt.

Zu beachten ist die veränderte Codierpraxis bei den Nebendiagnosen, die zu einer Überschätzung der Zunahme führen kann (siehe Beschreibung bei Marmet et al., 2017, S. 9-10).

Quellen

Referenzen

  • Marmet, S., et al. (2017). Hospitalisierungen aufgrund von Alkoholintoxikation oder Alkoholabhängigkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen – Eine Analyse der Schweizerischen „Medizinischen Statistik der Krankenhäuser“ 2003 bis 2014 (Forschungsbericht Nr. 92). Sucht Schweiz, Lausanne: Bericht.
  • Revision of the European Standard Population — Report of Eurostat's task force (2013). European Commission. Luxembourg: Publications Office of the European Union, p. 121: Bericht (englisch).

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Zuletzt aktualisiert

11.01.2022