Im Jahr 2018 nutzen in der Schweiz 4,4% oder hochgerechnet rund 18 000 Jugendliche von 11 bis 15 Jahren die sozialen Medien in problematischer Weise. Das heisst, sie beantworten mindestens sechs von neun Fragen nach bedeutenden Schwierigkeiten bei der Nutzung sozialer Medien bejahend. Bei den Mädchen sind es 5,2%, bei den Jungen 3,7%. Demgegenüber geben 36,8% (Mädchen 31,8%, Jungen 41,6%) an, keine dieser problematischen Auswirkungen zu erleben.

Was die Nutzungshäufigkeit anbelangt, verwenden gemäss der JAMES-Studie 2020 (Bernath et al., 2020, grafisch nicht abgebildet) über 90% der Jugendlichen von 12 bis 19 Jahren in der Schweiz soziale Medien (Instagram, Snapchat, TikTok etc.) täglich oder mehrmals wöchentlich in der Freizeit.

Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Online-Kommunikation ist zu einem integralen Bestandteil des Lebens von Jugendlichen geworden. Wenn sie sich mittels sozialer Medien untereinander austauschen, spielen soziale Belohnungen eine wichtige Rolle. Bei einigen Personen können diese Belohnungen zu einer problematischen Nutzung sozialer Medien führen. Die Symptome sind vergleichbar mit denen einer problematischen Nutzung von Substanzen (Dar et al., 2021). Dabei kann es zum Verlust der Kontrolle über die eigene Nutzung sozialer Medien auf Kosten anderer wichtiger Lebensbereiche, (Beziehungen zu Gleichaltrigen und Eltern, Hobbys etc.) kommen. Gegenwärtig gibt es keine international anerkannte Diagnostik für eine Störung mit der Nutzung sozialer Medien.

Die Häufigkeit der Online-Kommunikation nimmt bei Jugendlichen mit dem Alter zu und es sind unterschiedliche Muster nach Geschlecht zu beobachten. In der internationalen HBSC-Studie wurden beträchtliche länderübergreifende Unterschiede im Online-Verhalten beobachtet, was darauf hindeutet, dass kulturelle, politische und wirtschaftliche Faktoren bei der Gestaltung dieser Aspekte des Lebens jüngerer Menschen eine Rolle spielen. 

Definition

Dieser Indikator basiert auf der Schweizer Schülerinnen- und Schülerbefragung «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC), die 11- bis 15-jährige Jugendliche befragt (2018: n=11'000).

Mittels der «Social Media Disorder Scale» von van den Eijnden et al. (2016) wurde die problematische Nutzung sozialer Medien erfragt. Die Skala setzt sich aus den folgenden neun Fragen zusammen, die im HBSC-Fragebogen wie folgt gestellt wurden:

«Wir interessieren uns für deine Erfahrungen mit sozialen Medien. Damit meinen wir soziale Netzwerke (z.B. Facebook, Instagram, Twitter) und Instant-Message-Programme (z.B. WhatsApp, Snapchat, Facebook messenger). Hast du in den letzten zwölf Monaten…

  • …. regelmässig bemerkt, dass du an nichts Anderes denken konntest als an den Moment, wenn du wieder soziale Medien nutzen kannst?
  • …. dich regelmässig unzufrieden gefühlt, weil du mehr Zeit auf sozialen Medien verbringen wolltest?
  • …. dich oft schlecht gefühlt, wenn du soziale Medien nicht nutzen konntest?
  • …. versucht, weniger Zeit auf sozialen Medien zu verbringen, aber hast es nicht geschafft?
  • …. regelmässig andere Aktivitäten (z.B. Hobbies, Sport) vernachlässigt, weil du soziale Medien nutzen wolltest?
  • …. regelmässig Streit mit anderen gehabt wegen deiner Nutzung von sozialen Medien?
  • …. regelmässig deine Eltern oder Kolleginnen/Kollegen darüber angelogen, wie viel Zeit du mit sozialen Medien verbringst?
  • …. soziale Medien häufig benutzt, um vor negativen Gefühlen zu fliehen?
  • …. einen ernsthaften Konflikt mit deinen Eltern oder Geschwistern gehabt wegen deiner Nutzung von sozialen Medien?»

Die Fragen wurden jeweils mit «ja» (1 Punkt) oder «nein» (0 Punkte) beantwortet. Ab einem Summenwert von 6 von 9 möglichen Punkten wurden die Jugendlichen als «problematisch Nutzende» eingestuft.

Referenzen

  • Bernath, J. et al. (2020). JAMES – Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz. Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Zürich: Bericht.
  • Bildschirme, Internet und soziale Medien bei den 11- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in der Schweiz im Jahr 2018 (2020). Sucht Schweiz, Lausanne: Factsheet.
  • Dar, M. et al. (2021). Problematic social media use and social support received in real-life versus on social media: Associations with depression, anxiety and social isolation. Addictive Behaviors, 106949, ISSN 0306-4603: Artikel (englisch).
  • Delgrande Jordan, M. (2020). Les écrans, Internet et les réseaux sociaux. Résultats de l’enquête «Health Behaviour in School-aged Children» (HBSC) 2018. (Rapport de recherche No 114). Sucht Schweiz, Lausanne: Bericht (französisch mit deutscher Zusammenfassung).

Weiterführende Informationen

  • Inchley J. et al., editors (2020). Spotlight on adolescent health and well-being. Findings from the 2017/2018 Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) survey in Europe and Canada. International report. Volume 1. Key findings / Volume 2. Key data. WHO Regional Office for Europe, Copenhagen: Bericht Teil 1 / Bericht Teil 2 (englisch).

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Zuletzt aktualisiert

18.10.2021